Haschomer Hazair, Kinderfreunde und Haltung gegen Antisemitismus

Der Bund berichtet über den Ausschluss israelischer Jugendorganisationen und Reaktionen aus SPÖ und Kinderfreunden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Bund-Newsletter vom 29.10.2025.

Haschomer Hazair

Haschomer Hazair, Kinderfreunde und Haltung gegen Antisemitismus

Foto: © Haschomer Hazair

Liebe Gemeindemitglieder,
geschätzte Leserin, geschätzter Leser!

Es gibt Tage, die bleiben in Erinnerung, schreckliche wie auch hoffnungsvolle. Jede und jeder von uns erinnert sich an den 7. Oktober 2023, als das Grauen mit jeder neuen Nachricht fassbarer wurde und doch bis heute unbegreiflich bleibt.

Zwei Jahre später, am 13. Oktober 2025, erlebten wir einen anderen Tag, der sich ebenfalls tief eingeprägt hat. Viele von uns verfolgten die Live-Berichterstattung, als die letzten lebenden Geiseln der Hamas endlich freikamen. Tränen der Freude, nicht der Verzweiflung, nicht der Wut, nicht der Angst – nach zwei langen Jahren.

Der Terror der Hamas brachte nichts als Leid, für Israelis ebenso wie für Palästinenser. Zurück bleibt ein fragiler Frieden, vielleicht eher ein brüchiger Waffenstillstand, und ein Trauma, das erst langsam zu heilen beginnen kann.

Ein Thema, das uns direkt betrifft

Sie haben wahrscheinlich in den vergangenen Monaten und Jahren viel über Israel, „Israel-Boykotte“, den Nahostkonflikt und Antisemitismus gelesen – manches davon leider auch persönlich erfahren. All das ließe sich in einem Buch behandeln, aber nicht in einem Newsletter. Dennoch möchten wir auf ein Thema eingehen, das in der Gemeinde Wellen geschlagen hat und auch uns als Bund sozialdemokratischer Juden-AVODA tief getroffen hat:

Im Juli 2025 wurden auf einem internationalen Kongress die beiden israelisch-jüdischen Kinder- und Jugendorganisationen Haschomer Hazair und HaNoar HaOved VeHaLomed auf Antrag der palästinensischen Independence Youth Union ausgeschlossen – aus unserer Sicht mit fadenscheinigen Begründungen, die dem Geist der sozialistischen und sozialdemokratischen Falkenbewegung widersprechen.

Wir haben diese Entscheidung in einem umfassenden Schreiben an die österreichischen Kinderfreunde, die Roten Falken sowie an die Bundes- und Wiener SPÖ mit aller Schärfe verurteilt.

Reaktionen aus der SPÖ und von den Kinderfreunden

Wiens Bürgermeister und Landesparteivorsitzender der SPÖ Wien, Dr. Michael Ludwig, bedauerte in seiner Antwort den Ausschluss ausdrücklich. Er betonte, dass für ihn Dialog, Austausch und das gemeinsame Finden konstruktiver Lösungen an erster Stelle stehen.

Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim nahm Kontakt zu uns auf. Er hielt fest, dass die SPÖ den Dialog und die Zusammenarbeit großschreibt und bestrebt ist, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, Gesprächskanäle offenzuhalten und den Austausch zu fördern. Auch er bedauerte den Ausschluss.

Die österreichischen Kinderfreunde, deren Jugendorganisation, die Roten Falken, für den Ausschluss mitverantwortlich zeichnet, haben sich ebenfalls positioniert. Sie bedauern die Entscheidung, halten ihre Kontakte zu den israelischen Organisationen aufrecht und wollen diese intensivieren.

Hashomer Hatzair SommermachaneFoto: © Haschomer Hazair

In einem persönlichen Gespräch wurde uns zugesichert, dass es sich dabei nicht um bloße Worte handelt. Eine eigene internationale Arbeitsgruppe wurde eingerichtet, um den Kontakt mit Haschomer Hazair und HaNoar HaOved VeHaLomed zu pflegen. Der Wiener Landesvorsitzende der Kinderfreunde, Abg.z.NR Christian Oxonitsch, reiste bereits nach Tel Aviv, um erste Gespräche zu führen. Eine Einschränkung der Zusammenarbeit mit dem Wiener Ken Tel Amal von Haschomer Hazair stand zu keinem Zeitpunkt – auch nicht seitens der Roten Falken – zur Debatte.

Haltung zeigen

So sehr wir diese Stellungnahmen begrüßen, so deutlich zeigt die Entscheidung doch, dass die vergangenen zwei Jahre nachwirken und manch eingeschlagener Irrweg noch lange Schatten wirft. Bewegungen wie BDS haben an Einfluss gewonnen, und Antisemitismus ist in vielen Bereichen wieder salonfähig geworden.

Wenn wir eingangs vom möglichen Beginn der Heilung eines Traumas gesprochen haben, dann müssen wir auch verstehen: Diese Heilung wird auch Haltung brauchen. Sie braucht den entschlossenen Kampf gegen jede Form von Antisemitismus, ganz gleich, woher er kommt.

Wir versichern Ihnen, geschätzte Leserin, geschätzter Leser:
Der Bund sozialdemokratischer Juden-AVODA wird mit voller Kraft für die jüdische Gemeinschaft in Österreich eintreten, unabhängig davon, ob der Wind von rechts, aus der Mitte oder von links entgegenweht. Das unterscheidet uns vielleicht auch von anderen.

 

 

Lesens- & Sehens- & Hörenswertes
für graue Herbsttage:

Lesenswert:
Rede zur Ausstellung „Schaltstelle des Terrors“ Gedenkorte zeigen meist die Opfer. Diese Ausstellung zeigt die Täterinnen und Täter. Warum das wichtig ist, erklärt unsere Kultusvorständin Dwora Stein in ihrer Rede zur Ausstellung „Schaltstelle des Terrors“ in der Arbeiterkammer.

 

 

 

 

Sehenswert:
„Schwarze Juden, Weiße Juden?“ im JMW Die neue Ausstellung im Jüdischen Museum Wien zeigt, wie eng Rassismus und Antisemitismus miteinander verflochten sind – und wie Zuschreibungen unsere Wahrnehmung prägen. Ein starkes Plädoyer gegen Vorurteile und für Vielfalt innerhalb des Judentums.

 

 

 

Hörenswert:
Wie funktioniert Journalismus im Gazakrieg? ORF-Korrespondent Tim Cupal berichtet in der FALTER Arena über seine Erfahrungen als Journalist im Nahen Osten: über die Herausforderungen der Berichterstattung im Krieg, den Einfluss auf die israelische Gesellschaft und seine persönlichen Eindrücke seit dem 7. Oktober 2023.

 

 

 

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