
Wer mit Peter Munk über den Bund spricht, bekommt keine kurzen Antworten. Stattdessen öffnet sich ein ganzes Stück jüdischer Nachkriegsgeschichte in Wien.
Viele Jahre prägte Peter Munk den Bund als Vorsitzender, Kultusvorsteher und sozialdemokratische Stimme innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde. Mit seinem Rückzug vom Vorsitz endet nun eine lange Phase aktiver Verantwortung, nicht aber sein Engagement.
Politisch geworden im Haschomer Hazair
Seine politische Prägung begann früh im Haschomer Hazair, der linkszionistischen Jugendbewegung. Für viele junge Wiener Jüdinnen und Juden war und ist sie weit mehr als nur eine Jugendorganisation.
„Wir waren dort nicht nur Jugendbewegung, wir waren politisch.“
Über den Haschomer Hazair kam Peter Munk früh in Kontakt mit den politischen Strukturen der jüdischen Gemeinde und der Zionistischen Föderation.

Wie alles begann
Warum er dann beim Bund aktiver wurde, beantwortet Peter Munk mit einem einzigen Satz: „Es waren einfach nicht genügend jüngere jüdische Menschen mit sozialistischem Gedankengut da.“ Geprägt haben ihn Menschen im Bund wie Ernst Ackermann, Anne Kohn-Feuermann, Ernst Blaha, Edek Reiss und Martin Vogel – Persönlichkeiten, die ihr gesamtes Leben in den Dienst der jüdischen Gemeinde stellten. „Das waren grundanständige Leute“, sagt Peter Munk. „Ich hatte diesen Menschen gegenüber einfach nicht die Stirn, Nein zu sagen.“
Ernst Stern – die Stimme des Bundes
Eine besondere Rolle nimmt für Peter Munk Ernst Stern ein.
Über viele Jahre war er das politische Sprachrohr des Bundes. Von ihm stammt auch ein Begriff, der bis heute den politischen Stil des Bundes beschreibt: kritische Kooperation. Nicht Fundamentalopposition und nicht bloßes Mitverwalten, sondern konstruktive politische Arbeit mit Haltung. Dieser Grundsatz prägt Peter Munk bis heute.
Soziale Verantwortung ist keine Nebensache
Wer Peter Munk zuhört, merkt schnell: Das Zentrum seines politischen Denkens ist nicht Ideologie, sondern soziale Verantwortung. Das zeigte sich besonders in seiner Arbeit rund um den Witwen- und Waisenverein sowie bei sozialen Projekten innerhalb der Gemeinde. Für ihn war immer klar: Soziale Unterstützung darf niemals von politischen Gruppierungen abhängig sein.
„Es ist vollkommen gleichgültig, woher jemand kommt. Bedürftige sollen Unterstützung erhalten – nicht einzelne Gruppierungen.“
Gerade deshalb war ihm auch die politische Unabhängigkeit solcher Einrichtungen wichtig. Die Kultusgemeinde sei naturgemäß ein politischer Raum mit Wahlen, Mehrheiten und Interessen. Soziale Arbeit müsse davon unabhängig bleiben. „Mir ging es immer darum, dass Gelder zweckentsprechend für Bedürftige verwendet werden.“
Warum der Bund seinen Platz hat
Für Peter Munk war immer klar, dass genau darin die Aufgabe des Bundes liegt.
„Es braucht in der jüdischen Gemeinde eine Gruppierung links der Mitte.“
Eine Stimme, die soziale Fragen ernst nimmt. Eine Stimme, die demokratische Verantwortung übernimmt. Eine Stimme, die nicht nur für das gut situierte Judentum spricht, sondern auch für jene, die Unterstützung benötigen.
Der richtige Zeitpunkt zu gehen
Den Vorsitz abzugeben, war für ihn keine Frage des Rückzugs, sondern eine bewusste Entscheidung für die Zukunft. „Man braucht neue Ideen. Man braucht neue Menschen.“
Mit Dwora Stein an der Spitze sieht er den Bund gut aufgestellt. Kompetenz, soziale Verantwortung und der Blick für die Zukunft seien gegeben, genau darum gehe es.
Verschwinden wird er jedenfalls nicht.
„Ich arbeite gerne weiter mit. Und überall dort, wo ich mit meinem Wissen helfen kann, freue ich mich sehr zu unterstützen.“

