Liebe Gemeindemitglieder,
geschätzte Leserinnen, geschätzte Leser!
Zu Chanukka wollten wir uns mit diesem Newsletter an Sie wenden. Nach dem schrecklichen Terroranschlag am Bondi Beach erschien uns das jedoch nicht angemessen. Der Anschlag hat erneut gezeigt, dass jüdisches Leben weltweit, selbst in Momenten des Feierns, bedroht ist.
Mit etwas zeitlichem Abstand holen wir das nun nach, auch weil politische Klarheit gerade jetzt notwendig ist.
Politische Klarheit nach dem 7. Oktober
In den vergangenen Wochen haben wir unsere Positionen sowohl öffentlich als auch innerhalb der Sozialdemokratie deutlich gemacht. Anlass war unter anderem das neue Nahost-Positionspapier der SPÖ und die darin enthaltene Forderung nach einer völkerrechtlichen Anerkennung eines Staates Palästina.

In einem Gastkommentar in der Tageszeitung Die Presse hat unsere Vorsitzende und Kultusvorständin Dwora Stein dargelegt, warum wir diese Forderung zum jetzigen Zeitpunkt für problematisch halten. Dass sie nach dem Terror des 7. Oktober 2023 erhoben wird, ist politisch hochsensibel. Unabhängig von den Absichten bleibt die problematische Abfolge bestehen: Terror entfaltet politische Wirkung.
Zugleich zeigt die Erfahrung, dass Symbolpolitik keine Lösungen schafft. 157 Staaten haben Palästina bereits anerkannt, ohne dass sich die Lebensrealität der Menschen in Israel, Gaza oder dem Westjordanland verbessert hätte. Frieden entsteht nicht durch Erklärungen, sondern durch Verhandlungen, Dialog und klare Absagen an Terror.
Judenhass ernst nehmen
Parallel dazu haben wir einen Antrag für den kommenden SPÖ-Bundesparteitag eingebracht, der Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen thematisiert. Unser Ausgangspunkt ist einfach: Antisemitismus ist kein Problem der „Anderen“. Er ist tief in unserer Gesellschaft verankert und tritt auch in progressiven Milieus auf.
Ihm wirksam zu begegnen erfordert entschiedene Zurückweisung, Bildung, Dialog mit jüdischen Organisationen und eine klare Unterscheidung zwischen legitimer Kritik und israelbezogenem Antisemitismus.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen – trotz der schweren Zeit – dass das Licht von Chanukka ein Zeichen der Hoffnung war und Sie erholsame Feiertage verbringen konnten.
Dwora Stein
Paul Reisenauer
P.S.: Wie Sie an den Unterzeichnenden erkennen, hat unsere Generalversammlung personelle Veränderungen mit sich gebracht. Über neue Vorhaben sowie die Würdigung unseres bisherigen Vorsitzenden Peter Munk werden wir in einem der nächsten Newsletter berichten.


