Maccabi - Süssenbrunn

17. Runde 10.04.2016 Maccabi : Süssenbrunn 1:2 (1:1)

Hochklassige Begegnung mit antisemitischen Misstönen

 

 von Ernst Meir Stern


 

Das Sportliche vorweg: Süssenbrunn, unangefochtener Tabellenführer, trat vom Anpfiff weg wie ein solcher auf. Selbstbewusst, schnell kombinierend, ballsicher und technisch versiert. Mit Steilvorlagen an die schnellen Spitzen wurde die Defensive von MACCABI in den ersten zehn Minuten immer wieder zu letztem Einsatz genötigt. Doch langsam stellten sich die Gastgeber darauf ein und es präsentierte sich nach und nach eine gegenüber der Vorwoche verwandelte Elf. Taktisch äußerst diszipliniert, energisch ab der Mittellinie attackierend, lauffreudig und, im Gegensatz zum Columbia – Match auch des öfteren gefällig kombinierend, gelang es, das rasante Spiel einigermaßen offen zu halten und selbst einige Male in die Offensive zu gehen.

Dabei erwies sich, dass auch der Tabellenführer, mit einigen Routiniers, die schon in höheren Klassen gekickt hatten, in Verlegenheit gebracht werden konnte. Zwanzig Minuten waren gespielt, als Zeno Druml in der gegnerischen Hälfte einen Zweikampf gewann, Darius Grega auf der linken Seite bediente und dessen Prachtschuss aus gut 20 Metern schlug unhaltbar im langen Eck ein – 1:0!

Süssenbrunn, sichtlich geschockt, versuchte die Schlagzahl noch zu erhöhen und ging nun auch wesentlich härter zur Sache. Die Hausherrn, endlich besser in Fahrt gekommen, hielten dagegen und so entwickelte sich ein Spiel mit ungezählten harten Zweikämpfen. Kurz vor dem Pausenpfiff glückte den Gästen, die nicht mehr allzu viele Torgelegenheiten vorgefunden hatten, doch der Ausgleich: Freistoß hoch vor das Tor, ein gegnerischer Stürmer flitzte zwischen den einmal unaufmerksamen Abwehrspielern durch und schoss aus kurzer Distanz ein.

Hälfte zwei brachte für die Zuseher, mehrheitlich Süssenbrunn – Fans, Ungewohntes. MACCABI nahm vom Beginn weg das Heft in die Hand und erkämpfte und erspielte sich eine leichte Feldüberlegenheit. Das Spiel war überaus temporeich und hart umkämpft und blieb es bis zum Schlusspfiff. Während der Süssenbrunn – Torhüter die besten Chancen vereitelte, zeigten seine Vorderleute, dass sie stets gefährlich blieben und hatten letztendlich das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite. Erneut Freistoß, wieder kam der Ball gefährlich vor das MACCABI Gehäuse, ein Getümmel, ein Schuss – und durch die Menschenmenge fand die Kugel ins Netz – 1:2. Nun war es an MACCABI, noch einen Zahn zuzulegen und es entwickelte sich ein Spiel vorwiegend in der Hälfte der Gäste, die allerdings bei Kontern gefährlich blieben.

Trotzdem schien deren Selbstbewusstsein aufgrund des Spielverlaufes und der Härte, die auch MACCABI praktizierte, angeknackst zu sein, denn nur so ist das Verhalten einiger ihrer Akteure zu erklären. Zwei Süssenbrunner wurden in Hälfte zwei vom Schiedsrichter wegen übertriebener Härte bzw. ständigen Kritisierens des Feldes verwiesen. Bereits vor der Pause hatte es Beschimpfungen in serbischer Sprache (der Grossteil der Süssenbrunn – Spieler sind serbischer Herkunft) gegen MACCABI – Spieler gegeben. Diese steigerten sich im Verlaufe des Spieles, wobei wohl „zwecks besseren Verständnisses“ in die deutsche Sprache gewechselt wurde. Vom „Vergasen“ war da unter anderem die Rede, und der Ausdruck „Scheissjude“ ging einigen ebenfalls locker von der Zunge. Dem angesichts der vielen Fouls ohnehin überforderten Schiedsrichter sagte dies offenbar nichts, denn auf Reklamationen der empörten MACCABI – Spieler reagierte er nicht. Nach mehreren gesundheitsgefährdenden Härteeinlagen von Gästespielern wanden sich „Täter“ und „Opfer“ am Kunstrasen, wobei die Täter noch „schmerzgepeinigt“ schrien. Auch mit Hilfe solcher Mätzchen und viel „Zeitschindens“ wurde der Auswärtssieg über die Runden gerettet.

Beim Abgang in die Kabinen gab es mit einigen vernünftigen Süssenbrunnern sportliches „Shakehands“, andere machten aus ihrer Gesinnung aber weiterhin kein Hehl und nur dank der Besonnenheit einiger Akteure beider Teams konnten Handgreiflichkeiten gerade noch vermieden werden. Auch aus dem Zuschauerraum registrierte der Berichterstatter ein einschlägiges judenfeindliches Echo…

Fotos: Albert Stern